Junioren WM in Lecco

 

Eindrücke der Junioren-WM in Lecco

von Jörg Benner

 

Zunächst einmal das Beste vorab: Die vier deutschen Teams bei der Junioren Ultimate-WM/U17-EM Ende Juli in Lecco am Comer See haben sich allesamt sehr gut geschlagen (siehe Nachbericht beim DFV). Daneben ist es für mich schwierig die vielen Eindrücke zu ordnen, die ich von dem riesigen Event mitgenommen habe, da ich samt Sohn nur als Gast bei der Veranstaltung war.

Was die Unterbringung der Sportler betrifft, ist die Containersiedlung sicherlich nicht optimal: trist, eng, heiß und spärlich ausgestattet (immerhin Klimaanlagen gab es in den Containern). Die US-Teams zogen aus, dort war von “Gulag” die Rede, unter den deutschen Teams kursierte das Wort “Flüchtlingslager”. Da hatte ich es weitaus besser auf dem nahe gelegenen Campingplatz Rivabella , wo übrigens auch die beiden polnischen Teams übernachteten. Die Preise für die Übernachtung der Sportler erscheinen bei diesen Verhältnissen überteuert, ebenso wie die Preise für die Verpflegung beim Turnier (5 EUR für ein Sandwich sind bei einem Juniorenevent zu viel) und auch für die offiziellen Turnier-Funktionsshirts (56 EUR). Turnierscheiben gab es für 10 EUR, deren Druck sich jedoch bei Nässe und Berührung ablöst.

Junior-Women_U17OpenDann die Spielfelder: Insgesamt waren 32 Ultimate-Felder auf einem riesigien Polofeld in Molteno ausgezeichnet, die nicht alle benötigt wurden, kommende Woche bei der Ultimate Club-WM aber alle benötigt werden. Dennoch wurde es mehrfach eng mit der Platzbelegung, denn 1. wurden bei einem Blitz irgendwo in den Bergen sofort alle Spiele abgebrochen und 2. waren nach starkem Regen rund die Hälfte der Felder gar nicht mehr bespielbar.

Die Kulisse ist atemberaubend, sowohl in Molteno (hier das deutsche Junior Women-Team vor Bergen mit Wolken), als auch im Hauptstadion in Lecco, in dem Eröffnungs- und Schlussfeier und -spiele stattfanden.

Als katastrophal habe ich als Gast die Informationspolitik empfunden, denn für Gäste gab es nicht einmal ein Turnierheft, geschweige denn eine Felderübersicht oder andere Orientierungshilfen. Infos über die nächsten anstehenden Spiele bekam ich nur von Spielern oder Coaches, die sich zuvor informiert hatten (auch aufgrund der wetterbedingt veränderten Spielpläne). Es gab nur ein Infozelt mit Bildschirmen, wofür jedoch ein Grundverständnis der Spielpläne schon Voraussetzung war. Am vorletzten Spieltag schließlich waren Verkehrsschilder zum Parken und auch ein paar Hinweisschilder auf den Feldern angebracht.

Junior-Women_vs-JP_AnnaDie Stimmung war dennoch hervorragend, unter der “German Ultimate Nation” (GUN) ebenso wie unter allen etwa 1.200 Teilnehmern aus 24 (oder noch mehr?) Ländern. Wenigstens gab es 24 Junior Open-Teams, daher die Vermutung, dass es ebenso viele teilnehmende Nationen waren. Gigantisch war der Organisationsaufwand mit riesigen Zelten (die bei Regenpausen auch dicht bevölkert waren), mit zahlreichen Fahrzeugen, mit denen Volunteers zu den Feldern kamen, und auch einer benzinbetriebenen Kreidemaschine.

Sehr mangelhaft hingegen war die Einteilung der zahlreichen (zwischen 80 und 100) Volunteers, ehe DFV-Präsident Volker Schlechter, der sich selbst als Helfer eingetragen hatte, die Koordination übernahm, sodass wenigstens die Punktezählung und das Zeitmanagement bei den Spielen wunderbar funktionierten. Es wurden übrigens auf zahlreichen neuen Tablets auch alle Assistgeber und Scorer notiert – nur wo sind sie abrufbar? Ich weiß es nicht.

U17-Girls_vs_GB_MegErfreulich war – wie schon eingangs erwähnt – das starke Auftreten der deutschen Teams, das nur am vorletzten Spieltag, dem Freitag einen Dämpfer erhielt. Alle vier Teams verloren ihr erstes Spiel, sodass es für die U17-Jungs und -Mädchen am Ende “nur” für Platz 4 reichte. Die U17-Jungs hatten zuvor gezeigt, dass sie alle anderen Teams in Europa schlagen können und hatten auch den späteren Europameister Großbritannien im Powerpool deutlich geschlagen. Doch es erwies sich wieder einmal die alte Weisheit, dass es mit am schwersten ist, denselben Gegner in einem Turnier zweimal zu schlagen. Bei den U17-Mädchen ergab sich leider keine Gelegenheit mehr auf eine Revanche gegen die Niederlande, und im Spiel um Platz 3 war die Luft gegen Österreich raus, das zuvor schon zweimal geschlagen worden war (Details im DFV-Beitrag).

Junior-Open_Bronze_Lecco2014Bei den deutschen Junior Women verstand es Coach Marco Müller auch aus der Viertelfinal-Niederlage gegen Kolumbien etwas Positives herauszuziehen: Die 14:17 Niederlage gegen die da noch amtierneden Weltmeister war in der Tat aller Ehren wert, er sprach vom besten Spiel seiner Trainerkarriere. Auf dem höchsten Niveau entscheiden eben nur ein paar Kleinigkeiten. Platz 5 kompensierte diese Niederlage. Leider ging es dem Junior Open-Team ähnlich, das nach ausgeglichener 1. Halbzeit im Halbfinale gegen Kanada den Faden verlor. Der zweite souveräne Sieg gegen Gastgeber Italien im kleinen Finale entschädigte für die einzige Turnierniederlage des deutschen “Flaggschiffs”. Zuletzt ein einmiütiges Video, das beim Schlussbild der vier deutschen Teams entstand.

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sonntags: 17.00 - 19.00 Uhr

Sportplatz Büchenbeuren

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